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Urlaub- und Reiseberichte

Ägypten, Zahlen und Fakten

Nur das schmale Band der Stromoase längs des Nil, das Nildelta, die Senke von El Faiyum südwestlich von Cairo sowie kleine Oasengebiete sind landwirtschaftlich nutzbar. Im übrigen ist das Land ein Teil der Libyschen Wüste, also der Sahara, die in Ägypten 75% der Fläche des ganzen Landes einnimmt und die überwiegend den Charakter eines kahlen Tafellands hat, das von Sanddünen durchzogen und von kristallinen Felsgipfeln überragt wird. Östlich des Nil fällt die Arabische Wüste (bis 2187m hoch) zum Roten Meer in steiler, über 100m hoher Stufe ab. Die höchsten Erhebungen von Ägypten (Gebel Katerina 2637m) finden sich auf der ebenfalls wüstenhaften Sinaihalbinsel. Das Klima ist subtropisch-trocken. Nur im Norden wird das Land vom Mittelmeerklima beeinflußt.
Die überwiegend islamische Bevölkerung (es gibt eine Minderheit koptischer Christen) ist sehr stark gemischt, vor allem arabisierte Hamiten und arabische Beduinen, daneben Berber, Türken, Nubier und Schwarzafrikaner, ferner Gruppen von Griechen sowie Italiener, Zyprer und Malteser. – Universitäten: mohammedanische Universität Al Azhar (Cairo); staatliche Universitäten in Ain Schams bei Cairo, Alexandria, Asyut; amerikanische Universität in Cairo.
Das äußerst fruchtbare Kulturland, vor allem im Niltal, das vom Strom direkt oder über Kanäle bewässert wird, nimmt nur 2,5% der Landfläche ein. Es gestattet bis zu drei Ernten im Jahr. Der Sicherstellung des für die Bewässerung und Ausdehnung des Kulturlands nötigen Wassers wie auch der Energieversorgung dient neben anderen Staudämmen der Hochdamm bei Assuan. Es werden Baumwolle, die 13% des Außenhandels deckt, Weizen, Mais, Gerste, Hirse, Tabak, Reis, Bohnen, Zwiebeln, Zuckerrohr, Dattelpalmen, Ölbäume, Südfrüchte, Wein u. a. angebaut. Außerhalb der Stromoase wird nomadische Viehzucht betrieben. Die Steigerung der Fischfangkapazität im fischreichen Nasser-Stausee wird mit Entwicklungshilfe unterstützt.
Die vielfältigen Bodenschätze sind teilweise noch unerschlossen, da sie meist in schlecht zugänglichen Wüstengebieten liegen. Es wird vor allem Erdöl, Phosphat, Eisenerz, Manganerz und Salz gefördert. In den letzten Jahren wurden mehrere neue Ölgebiete und Erdgasfelder gefunden. Die verstaatlichte Industrie erzeugt vor allem Baumwollwaren, Nahrungs- und Genußmittel, Getränke, Düngemittel sowie Maschinen und Fahrzeuge, insbesondere für die Bauindustrie. Dazu kommt die Eisen- und Stahlgewinnung in Helwan bei Cairo sowie Zement- und Glasherstellung.
Die Energieversorgung hat sich durch den 1970 fertiggestellten Assuan-Staudamm beträchtlich verbessert. Das angeschlossene Kraftwerk verfügt über eine Kapazität von 2,1 Mill. kW. Die Großstädte in Unterägypten werden durch Wärmekraftwerke versorgt.
Eisenbahnen und gute Straßen erschließen u. a. das Niltal bis nach Assuan, das Nildelta und den Raum zwischen dem Nil und der Landenge von Suez. Ein Verkehrsweg von internationalem Rang ist der Suezkanal. Seit 1977 ist eine Erdölfernleitung von Suez zur Mittelmeerküste in Betrieb. Neben den internationalen Flughäfen Cairo und Alexandria besitzt Ägypten mehrere Flugplätze für den Inlandverkehr. Wichtigste Seehäfen sind Alexandria, Port Said und Suez.
Mit Menes, dem ersten König der 1. Dynastie, begann das Alte Reich (1.-8. Dynastie, um 3000-2134 v. Chr.). In der Frühzeit (1. u. 2. Dynastie, bis etwa 2660 v. Chr.) herrschten oberägyptische Könige aus Thinis bei Abydos in einem straff organisierten Beamtenstaat mit zentraler Lenkung von Feldbau und Versorgung. In ihre Regierungszeit fiel die Erfindung der Schrift und des Kalenders. Einen gewaltigen kulturellen Aufschwung nahm Ägypten mit der Verlegung der Hauptstadt nach Memphis durch König Djoser (3. Dynastie, um 2650 v. Chr.). Unter der 4. Dynastie (um 2590-2479 v. Chr.) wurden die großen Pyramiden von Gizeh und Dahschur durch Snofru, Cheops, Chephren und Mykerinos errichtet. Die Könige der 5. Dynastie (um 2470-2320 v. Chr.) erbauten Kultstätten für den Sonnengot Re. In der 6. Dynastie (um 2320-2160 v. Chr.) begann ein Zerfall der Regierungsgewalt (Feudalzeit). Der Zusammenbruch des alten Reichs (um 2160-2134 v. Chr., 7./8. Dynastie) war begleitet von Hungersnot und sozialen Unruhen. Ägypten zerfiel in Teilreiche (9.-11. Dynastie, um 2134-2040 v. Chr.).
König Mentu-hotep II., aus dem oberägyptischen Theben (11. Dynastie) einigte erneut das Reich (Mittleres Reich, um 2040-1650 v. Chr.). Die Pharaonen der 12. Dynastie (1991-1785 v. Chr.), die wieder in der Nähe von Memphis residierten (besonders Sesostris I. und Sesostris III., Amenemhet III.), führten das Reich zu neuer Blüte. In der Zeit der 13. und 14. Dynastie (um 1785-1650 v. Chr.) gelangten die asiatischen Hyksos zur Macht (15./16. Dynastie, um 1650-1550 v. Chr.). Sie wurden durch die thebanischen Könige Kamose und Amasis I. vertrieben. Letzterer leitete die Zeit des Neuen Reichs ein (18.-20. Dynastie, um 1552-1070 v. Chr.). Ägypten wurde durch die Eroberung Syriens und Nubiens (besonders durch Thutmosis III., 1490-1437 v. Chr.) Großmacht mit der Hauptstadt Theben. Glanzvoll regierte Amenophis III. (um 1400-1364 v. Chr.). Der religiöse Erneuerungsversuch des Amenophis IV. (Echnaton, um 1364-1346 v. Chr.) mißlang; die asiatischen Besitzungen fielen an die Hethiter. Sethos I. (um 1304-1290 v. Chr.) wehrte den Angriff der libyschen und ägäischen Völker ab. Ramses II. (1290-1224 v. Chr.) erkämpfte Frieden mit den Hethitern. Ramses III. (um 1194-1163 v. Chr.) wehrte den Angriff der libyschen und ägäischen Völker ab. Unter Ramses IV.- XI. verfiel das Reich endgültig. In Ober-Ägypten regierten die Hohenpriester des Amun von Theben aus fast selbständig, als im Norden die schwache 21. Dynastie (um 1080-945 v. Chr.) folgte.
Mit Schoschenk I. gewannen libysche Söldner (22. Dynastie um 945-720 v. Chr.) den Thron. Ägypten zerfiel erneut in Teilstaaten (23.-24. Dynastie), bis es von nubischen Königen von Kusch erobert wurde (25. Dynastie, um 712-655 v. Chr.). Psammetich I. (26. Dynastie, 664-525 v. Chr.) vertrieb die Nubier aus Oberägypten. Unter Psammetich III. (525-504 v. Chr.) gewann Ägypten noch einmal seine Unabhängigkeit.
Auf die 2. persische Eroberung folgte bald die Alexanders des Großen (332/331 v. Chr.). In den Kämpfen der Diadochen gewann Ptolemaios Ägypten: Hauptstadt des Reichs der Ptolemäer (304-30 v. Chr.) wurde das neugegründete Alexandria. 51 v. Chr. griff Cäsar zugunsten der ägyptischen Königin Kleopatra in die Reichswirren ein und unterstellte Ägypten dem römischen Senat. Nach dem Sieg des Augustus über Antonius und Kleopatra wurde Ägypten 30 v. Chr. römische Provinz. 395 n. Chr. fiel es an Byzanz (395-641).
Nach der Eroberung durch die moslemischen Araber 640/41 gehörte Ägypten zum Islamischen Reich. Nach der Dynastie der Tuluniden (868-905) folgte 935-969 die Dynastie der Ichschididen und der schiitischen Fatimiden. 1171 führte die von Saladin begründete Dynastie der Ajjubiden Ägypten zu neuer Macht und kultureller Blüte. Wirtschaftlich erstarkte Ägypten unter den Mamluken-Sultanen (1250-1517) anfänglich weiterhin, bald aber schwächten es innerdynastische Kämpfe so, daß es 1517 dem Angriff der Türken erlag.
Mit der türkischen Armee, die die Ägyptenexpedition Napoléons I. bekämpfen sollte, kam Mohammed Ali, verdrängte den türkischen Statthalter und übernahm 1805 die Regierung. Im März 1811 ließ er etwa 300 Anführer der Mamluken in der Zitadelle von Kairo töten und brach ihre Macht im Land. 1811-1818 zerstörte er das Reich der Wahhabiten in Arabien, unterwarf 1820-1822 Teile des oberen Niltals (Sudan) und bemächtigte sich 1833 Syriens.
Ihm folgten Abbas I. (1848-1854), Said (bis 1863) und Ismail (1863-1879), unter dem 1869 der Suezkanal gebaut wurde. Die Nachfolger Mohammed Alis bemühten sich weiter, Ägypten zu modernisieren und zu industrialisieren, gerieten jedoch dabei in unheilbare internationale Verschuldung. 1875 mußte Vizekönig Ismail den ägyptischen Anteil an den Suezkanal-Aktien England überlassen. Frankreich und England übernahmen die Kontrolle der ägyptischen Staatsfinanzen. Gegen diese Demütigung erhoben sich 1881 nationalistische Offiziere mit Ahmed Arabi an der Spitze. Am 11. 7. 1882 landeten britische Truppen und schlugen die ägyptische Armee bei Tell Al Kebir.
Bis nach dem 2. Weltkrieg blieb Ägypten von Großbritannien besetzt, obwohl die Oberhoheit des Osmanischen Reichs bis 1914 formell weiterbestand und die Dynastie Mohammed Alis auf dem Thron blieb. Unter britischer Führung zerstörten ägyptische Truppen 1896-1898 das Reich des Mahdi im Sudan, wo die ägyptische Herrschaft 1881 zusammengebrochen war. 1899-1956 wurde der Sudan als britisch-ägyptisches Kondominium verwaltet.
1879-1892 war Taufik Vizekönig, ihm folgte Abbas II. Hilmi. Die Regierung lag aber in den Händen des britischen Generalkonsuls Lord Cromer. 1914 wurde Ägypten auch offiziell britisches Protektorat unter Hussain Kamil als Vizekönig, dem 1917 Fuad folgte. 1922 nahm er als Fuad I. den Königstitel an, jedoch blieb das Land von Großbritannien abhängig. Die bürgerlich-nationalistische Bewegung, seit 1918 unter Führung von Saad Saghlul, dann von Mustafa Nahas in der Wafd-Partei organisiert (arabisch Wafd, „Abordnung“), durfte zwar zeitweilig Regierungsämter besetzen, konnte jedoch an der Ohnmacht Ägyptens nichts ändern.
Aufgrund eines unter König Faruk I. abgeschlossenen britisch-ägyptischen Bündnisvertrags vom 26. 8. 1936 wurde die britische militärische Besatzung immerhin auf die Suezkanalzone beschränkt. Im 2. Weltkrieg schlugen britische und verbündete Truppen 1942 das deutsche Afrikakorps und die italienische Armee bei Al Alamein. Die ägyptische Armee beteiligte sich nicht an den Kämpfen, jedoch zog sie 1948 zusammen mit anderen arabischen Armeen gegen den neuen Staat Israel zu Feld und wurde in die arabische Niederlage verwickelt. Beim Waffenstillstand am 24. 2. 1949 übernahm Ägypten die Verwaltung des Gazastreifens. Seit 1949 wurde der Geheimbund der „Freien Offiziere“ aktiv. Nach einem Staatsstreich am 23. 7. 1952 zwang er Faruk zur Abdankung. Am 18. 6. 1953 wurde die Republik Ägypten. proklamiert. Als Staatspräsident amtierte zunächst General M. Nagib; 1954 übernahm der Führer der Freien Offiziere, Oberst G. A. Nasser, das Präsidentenamt. Er errichtete schrittweise ein diktatorisches Regime und suchte eine sozialistische Ordnung eigener Prägung zu schaffen. Eine Bodenreform wurde eingeleitet und ein Teil der Wirtschaft verstaatlicht. Politische Gegner wurden mit polizeistaatlichen Mitteln verfolgt. Als Massenbasis sollte eine Einheitspartei dienen (seit 1962 unter dem Namen Arabische Sozialistische Union, ASU). Die Frauen erhielten das Stimmrecht. Jedoch gewannen Partei und Parlament kein politisches Gewicht. Ägypten blieb ein bürokratisch regiertes Land mit militärischer Spitze.
Außenpolitisch bemühte sich Nasser zunächst um Zusammenarbeit mit dem Westen und übernahm dann eine führende Rolle in der Bewegung der Blockfreien. Die Propaganda und die Guerillatätigkeit gegen Israel wurden verstärkt. Aufgrund eines Abkommens von 1954 verließen die letzten britischen Truppen im Juni 1956 die Kanalzone. Wenig später verstaatlichte Ägypten den Suezkanal. Großbritannien, Frankreich und Israel griffen daraufhin im Oktober 1956 Ägypten militärisch an. Israelische Truppen stießen bis zum Suezkanal vor, doch unter dem Druck der USA und der UdSSR mußten sich die Angreifer zurückziehen. In der Folge knüpfte Ägypten engere Beziehungen zur UdSSR. Mit sowjetischer Hilfe begann es 1959 den Bau des Hochdamms von Assuan.
1958 schloß sich Ägypten mit Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) zusammen; 1961 löste sich Syrien wieder aus der Verbindung. 1963-1967 unterstützte Ägypten mit Truppen und Material die Republikaner im jemenitischen Bürgerkrieg. Militärisch und wirtschaftlich geriet es in zunehmende Abhängigkeit von der UdSSR. Im Mai 1967 sperrte Ägypten den Golf von Aqaba für israelische Schiffe und erzwang den Abzug der UN-Truppen, die seit 1957 die ägyptisch-israelische Waffenstillstandslinie abschirmten. Daraufhin kam es mit einem israelischen Präventivschlag zum „Sechstagekrieg“, in dem Ägypten eine schwere Niederlage erlitt. Israel eroberte die gesamte Sinaihalbinsel. Die UN erreichten eine Feuereinstellung am Suezkanal. Der Kanal selbst wurde unpassierbar.
Mit sowjetischer Hilfe wurde Ägypten rasch wieder aufgerüstet. Am Suezkanal kam es schon bald wieder zu Feuergefechten zwischen Ägypten und Israel. 1970 trat mit US-amerikanischer Vermittlung eine Feuerpause ein, der jedoch keine Friedensverhandlungen folgten.
Im gleichen Jahr starb Nasser. Sein Nachfolger, der bisherige Vizepräsident A. As Sadat, leitete eine liberale Wirtschaftspolitik ein und lockerte das diktatorische Regime. Der Polizeiterror wurde abgeschafft, ein gewisses Maß an bürgerlichen Freiheiten wiederhergestellt. Außenpolitisch löste Sadat die Bindung an die UdSSR und wandte sich dem Westen zu. Im Oktober 1973 führte er Ägypten in den vierten Krieg gegen Israel, der mit einem koordinierten ägyptisch-syrischen Angriff begann. Ägyptische Truppen konnten auf dem Ostufer des Suezkanals Fuß fassen; allerdings entging eine ägyptische Armee auf dem Westufer nur dadurch der Einkesselung, daß der UN-Sicherheitsrat einen Waffenstillstand erzwang. Mit US-amerikanischer Vermittlung wurden 1974/75 zwei Truppenentflechtungsabkommen geschlossen, die zu einem Teilrückzug Israels auf dem Sinai führten und die Wiedereröffnung des Suezkanals ermöglichten.
Um die psychologischen Barrieren zu durchbrechen, die einem Friedensschluß entgegenstanden, unternahm Sadat im November 1977 eine spektakuläre Reise nach Jerusalem. Ägypten erklärte sich als erstes arabisches Land bereit, Israel völkerrechtlich anzuerkennen. Nach langwierigen Verhandlungen, in die mehrmals der US-amerikanische Präsident J. Carter als Vermittler eingriff, wurde am 26. 3. 1979 in Washington der ägyptisch-israelische Friedensvertrag unterzeichnet; er trat am 25. 4. 1979 in Kraft. Der Vertrag sah u. a. die vollständige Räumung des Sinai durch Israel binnen drei Jahren sowie die Aufnahme von Verhandlungen über die Autonomie der palästinensischen Araber in den von Israel besetzten Gebieten vor. Die meisten arabischen Staaten lehnten den Friedensschluß ab und ergriffen Boykottmaßnahmen gegen Ägypten. Die ägyptische Mitgliedschaft in der Arabischen Liga wurde bis 1989 suspendiert.
Innenpolitisch setzte Sadat seinen Kurs der Liberalisierung fort. Die ASU wurde 1978 aufgelöst und ein Mehrparteiensystem eingeführt. Die Machtposition des Präsidenten blieb jedoch unangetastet. Der Friedensschluß mit Israel brachte nicht den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung. Dies führte zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung und stärkte die Gegner der prowestlichen Politik Sadats. 1981 fiel Sadat einem Attentat zum Opfer. Die Täter entstammten Kreisen, die einen islamischen Fundamentalismus vertraten.
Neuer Präsident wurde der bisherige Vizepräsident Hosni Mubarak. Er setzte die Politik der Zusammenarbeit mit dem Westen fort, verhielt sich jedoch reserviert gegenüber Israel und war nicht ohne Erfolg bemüht, die Isolierung Ägyptens innerhalb des arabischen Lagers zu überwinden. 1987 und 1993 wurde Mubarak mit großer Mehrheit wiedergewählt. Im Golfkonflikt 1990/91 stellte sich Ägypten auf die Seite der USA. Die ungelösten Wirtschaftsprobleme des Landes führten seit Beginn der 1990er Jahre zu einer Stärkung des militanten islamischen Fundamentalismus.
Kunst: Architektur, Plastik, Malerei und Kunsthandwerk Altägyptens standen in engem Zusammenhang mit religiösen Vorstellungen und hatten besonders dem sehr komplizierten Totenkult zu dienen. Früheste Denkmäler (7.-3. Jahrtausend v. Chr.) sind gemalte und gravierte Felsbilder zu beiden Seiten des Niltals mit Menschen- und Tierdarstellungen, Keramikgegenstände mit geometrischen Ritzmustern, weibliche Idolplastiken sowie Kupferarbeiten. Reliefverzierte Schminkpaletten und Steingefäße, Kleinplastiken aus Knochen und Elfenbein sowie rotpolierte Keramiken mit ornamentalen und figürlichen Darstellungen sind vom Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. bekannt.
Die frühgeschichtliche Kunst Ägyptens beginnt um 3000 v. Chr. und umfaßt etwa 300 Jahre (Thinitenzeit, 1. u. 2. Dynastie). Hauptwerke dieser Periode sind Schminkpaletten aus Schiefer, ferner Kalksteinstatuen des Gottes Min aus Koptos, die Keule des Königs Narmer; auf altorientalische Stileinflüsse deutende Wandmalereien in einem Grab in Nechen-Hierakonpolis (Oberägypten) und die Königsgräber von Abydos vom Ende der 1. Dynastie.
Gewisse Stileigentümlichkeiten der ägyptischen Kunst, z. B. das Fehlen der Perspektive, gehen auf traditionsgebundene Gedankengänge und magische Vorstellungen zurück, die eine andere als die durch Überlieferung geheiligte Gestaltung unmöglich machten. Wichtigste, fast ausschließliche Aufgabe der Kunst war die Veranschaulichung religiöser Vorstellungen. Ihre erste Blüte erlebte die ägyptische Kunst im Alten Reich (um 3000-2134 v. Chr.), der nach einer Epoche des Niedergangs infolge von politischen Revolutionen und Bürgerkriegen (7.-10. Dynastie) im Mittleren Reich (ca. 2040-1650 v. Chr.) eine neue Hochblüte folgte. Bildwerke dieser Zeit zeigen oft Menschen, in deren Gesichtern sich Schmerz und Leid ergreifend spiegeln. Einen dritten Höhepunkt erreichte das altägyptische Kunstschaffen im Neuen Reich (ca. 1552-1070 v. Chr.). Verglichen mit der in sich gefestigten Stärke des Alten Reichs, war es eine Epoche betont äußerlicher Machtentfaltung, die in gigantischen Tempelbauten zum Ausdruck kam. In Menschendarstellungen dieser Zeit erscheint vielfach, im Gegensatz zu früher, der Ausdruck heiterer Gelöstheit. Neue Wege ging die Kunst von Amarna; sie mündeten in einen naturalistischen Figurenstil mit sanften Linienschwüngen.
Während der 26. Dynastie, um 600 v. Chr., kam es nach Jahrhunderten des künstlerischen Niedergangs zu einer Renaissance mit bedeutenden Kunstleistungen. Auch in der Zeit der Ptolemäer- und Römerherrschaft sind noch beachtliche Werke (Tempelbauten und Statuen) entstanden.
Die ägyptische Architektur erreichte sowohl im Holz- wie im Steinbau schon im Alten Reich einen erstaunlichen Grad der Vollendung. Ein bedeutendes Werk der Frühzeit ist die Grabanlage (Stufenpyramide mit umgebendem heiligem Bezirk und Umfassungsmauer) des Königs Djoser in Saqqara, um 2650 v. Chr., die vorbildlich wurde für die monumentalen Pyramidenbauten der 4. u. 5. Dynastie in Medum, Dahschur und Gizeh. Der im Alten Reich vorgebildete Typus des Felskammergrabs verband sich im Grabbezirk des Mentu-hotep (11. Dynastie) bei Theben mit der Grabform der Pyramide, die bis zur 17. Dynastie die bevorzugte Form des Königsgrabs blieb.
Hauptdenkmäler der Architektur des Mittleren Reichs sind die Felsgräber von Beni Hasan und die Pyramiden bei Lischt, Illahun und Haware (Faiyum). Aus dem Neuen Reich (18.-20. Dynastie) sind vor allem bedeutende Tempelbauten erhalten. Dem Kult der verstorbenen Könige dienten Totentempel auf dem linken Nilufer bei der Reichshauptstadt Theben (z. B. für Hatschepsut, Sethos I., Ramses II., Ramses III.), während die Mumien der Herrscher in reichgeschmückten Felsengräbern im abgelegenen Tal der Könige180440787398.01 beigesetzt wurden. Die größten Sakralbauten jener Zeit sind jedoch die Tempel des Reichsgottes Amun in Theben (Karnak und Luxor). Ein Zug zum Gigantischen, der sich schon unter Amenophis III. ankündigte, fand seine stärkste Ausprägung unter Ramses II. (Felsentempel von Abu Simbel). Ihre letzte Blüte erlebte die ägyptische Architektur in der Spätzeit (Hathortempel von Dendera, Tempel auf Philae), die trotz der Fremdherrschaft durch ein starkes Traditionsbewußtsein gekennzeichnet ist.
In der ägyptischen Plastik gelangten die gleichen Ewigkeitsvorstellungen zum Ausdruck wie in der Architektur. Dazu gehören in der Flachbildnerei der Verzicht auf Perspektive, die vom Rang der Dargestellten abhängige Verteilung der Größenmaße, die Verbindung von Profil- und Frontansichten innerhalb einer Figur und die friesartige Gliederung der Bildfläche in Streifen. Für die Rundbildnerei ist ein seit der Thinitenzeit auftretendes Streben nach monumentaler, blockhafter Geschlossenheit der meist steinernen Statuen typisch. Die Reliefs und Rundplastiken des Alten Reichs tragen meist vielfarbige Bemalungen. Eines der eindrucksvollsten plastischen Hauptwerke des Alten Reichs ist die Sphinx neben dem Chephren-Tempel von Gizeh. Während der 5. Dynastie tritt eine allmähliche Auflockerung der archaisch strengen Formgebung mit z. T. realistischen Zügen ein. Hauptwerke der Rundplastik des Mittleren Reichs sind die Sitzstatuen Mentuhoteps, Sesostris‘ I. und dessen Gemahlin (12. Dynastie), die stilistisch überleiten zu den durch formale Vereinheitlichung und seelische Ausdruckskraft gekennzeichneten Bildnissen von Sesostris III. und Amenemhet III. In der gleichzeitigen Flachbildnerei verstärkt sich die Neigung zu der bereits in der Chephrenzeit gebräuchlichen Technik des versenkten Reliefs mit betont klarer Umrißführung und wachsender Körperhaftigkeit.
Im Neuen Reich trat der Denkmalcharakter der Plastik zurück zugunsten dekorativer Wirkungen und gesteigerter psychologischer Lebendigkeit. Die Annäherung des Denkbilds an das Erscheinungsbild wird besonders deutlich zur Zeit Amenophis‘ III. und in den Bildnisplastiken der Amarnakunst (Kalksteinbüsten u. a. der Königin Nofretete), während die Herrscherbildnisse der Ramessidenzeit (Felsbilder von Abu Simbel, Sitzstatue Ramses‘ II., Turin) eine Rückkehr zur monumental-blockhaften Gestaltungsform erkennen lassen. Hauptwerke der Flachbildnerei dieser Zeit (18.-20. Dynastie) sind Reliefs im Totentempel der Königin Hatschepsut, an den Außenwänden der Säulenhalle von Karnak, in den Gräbern von Amarna und im Tempel von Abydos.
Die mit der Reliefkunst in engem Form- und Stilzusammenhang stehende Malerei Altägyptens legt mit zahlreichen Darstellungen auf Leinwand, Holz, Stein, Stuck, Papyrus (Totenbuchillustrationen) u. a. Zeugnis vom Ausmaß der Funktion ab, die sie im Totenkult hatte. Bevorzugt wurden leuchtende, ungebrochene Erdfarben. Die Größenordnung des Dargestellten richtet sich nach dessen Bedeutung, die Geschlechter werden durch unterschiedliche Körperfarben bezeichnet. Besonders zahlreich erhalten sind Grabmalereien mit kulturgeschichtlich bedeutenden Szenen aus dem Volksleben, die häufig durch Beischriften erläutert sind (Gräber des Nacht, Rechmire, Mencheporreseneb u. a. in Theben). Gegen Ende des Mittleren Reichs vollzog sich ein spürbarer Wechsel von der anfänglichen Vielfarbigkeit zu einer mehr koloristischen, mit feinen Farbabstufungen arbeitenden Darstellungsweise, wobei das landschaftliche Element zunehmend an Bedeutung gewann (Wand- und Deckenmalereien in Amarna, die dekorative Elemente wie Sumpfbilder mit Wasservögeln und -pflanzen bevorzugen). Die Aufnahme hellenistischen Formenguts seit der Ptolemäerzeit spiegelt sich in den zahlreichen mit Wachs- oder Temperafarben auf Holz ausgeführten Mumienbildnissen aus Faiyum wider.
Erzeugnisse des ägyptischen Kunsthandwerks (Möbel, Salbenlöffel, Gold- und Halbedelsteinschmuck, Keramik) sind vielfach von hohem künstlerischem Niveau. Der Wandel ihrer Schmuckformen folgte der allgemeinen Stilentwicklung. Literatur: Der größte Teil der ägyptischen Literatur, auf Papyrus geschrieben, ist verlorengegangen. Was überliefert ist, umfaßt zum größten Teil Alltagsschrifttum (Briefe, Urkunden, Rechnungen) und wissenschaftliche Literatur. Wichtig sind die Totenbücher, die man den Bestatteten mit ins Grab gab, um sie im Totenreich gegen Gefahren zu schützen. Neben diesem Schrifttum ist die „schöne“ Literatur Altägyptens nicht sehr umfangreich; doch sind Märchen- und Wundererzählungen überliefert – (z. B. das Brüdermärchen aus dem Neuen Reich), auch mythische Texte und die Erzählungen aus dem Intrigenleben der Höflinge („Die Geschichte des Sinuhe „). Mythische Festspiele für religiöse Feiern und Lyrik verschiedenen Inhalts (Liebes-, Trink-, Arbeits-, Götter-, Preislieder) runden das Bild ab. Die ägyptische Literatur der Neuzeit ist ein Teil der arabischen Literatur.
Ihre erste klassische Blütezeit erlebte die Musik unter den Herrschern des Alten Reichs (3. Jahrtausend v. Chr.). Aus dieser Zeit stammen Instrumente wie Bogenharfe, Langflöte und Doppelklarinette. Die ersten Namen von höfischen Berufsmusikern erschienen in den hieroglyphischen Inschriften der Gräber. Das Berufsmusikertum hatte sich bereits der damals gültigen Gesellschaftsordnung angepaßt.
Solistische Darbietungen mit Instrumentalbegleitung wechselten mit chorischen, auch antiphonal oder responsorial vorgetragenen Gesängen, weltliche mit kultischen Musik- und Tanzdarbietungen. Das gemischt vokal und instrumental besetzte Ensemble wurde durch den Cheironomen geleitet, der durch Zeichen seiner Hände den melodischen Ablauf und die rhythmische Gestaltung der Darbietungen anzeigte.
Zu den erwähnten Instrumenten traten im Lauf der Jahrhunderte die heilige Priesterrassel (Sistrum), verzierte Klappern aus Holz oder Elfenbein und die Trompete. Seit dem Mittleren Reich (2040-1650 v. Chr.) waren in Ägypten auch Röhrentrommel und Leier bekannt. Aus der Zeit des Neuen Reichs stammen die erste historisch nachweisbare Laute der Weltmusikgeschichte, die im Grab eines Musikers namens Harmose aufgefunden wurde, und die ersten Trompeten aus Gold und Silber, im Grab des Tutanchamun entdeckt. Hauptform vokalen und instrumentalen Musizierens war ein Vorläufer des orientalischen Dor, einer Art primitiven Rondos. In der Spätzeit und im griechisch-römischen Ägypten erlag die Musik immer mehr ausländischen Einflüssen, was sich auch im Instrumentarium bemerkbar machte. An neuen Instrumenten kamen hinzu: Glöckchen, Becken, Panflöte, Aulos, Querflöte, hydraulische Orgel. Die pharaonische Musik hat im koptischen Kirchengesang (koptische Musik) und im Lied der Landbevölkerung weitergelebt.

 

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