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Urlaub- und Reiseberichte

Zypern – Zahlen und Fakten

Seit 1974 ist der Inselstaat im östlichen Mittelmeer faktisch geteilt in einen griechisch-zyprischen Teil im Süden und einen türkisch-zyprischen Teil im Norden, dessen Unabhängigkeitserklärung 1983 als „Türkische Republik Nordzypern“ international bislang nur von der Türkei anerkannt wird. Die auf der Demarkationslinie liegende gemeinsame Hauptstadt Nicosia ist ebenfalls in zwei Teile gespalten.
Landschaftlich ähnelt die Insel dem benachbarten Kleinasien. Sie hat das gleiche Klima mit trocken-heißen Sommern und feucht-milden Wintern und ist ähnlich gebirgig. Den Süden nimmt das ausgedehnte Bergland Tróodos mit dem Gipfel Olympos (1952 m) ein, im Norden erhebt sich das 1000 m hohe Kyreniagebirge, das nach Nordosten in der schmalen Halbinsel Karpasia ausläuft. Dazwischen erstreckt sich von der Ostküste bei Famagusta und Larnaka zur Westküste bei Morfu die fruchtbare Schwemmlandebene Messaria, in deren Zentrum die Hauptstadt Nicosia liegt. Die ehemals waldarme Insel ist infolge groß angelegter Aufforstungsmaßnahmen zu 18,5% bewaldet.
80% der Bevölkerung sind Griechen, 19% sind Türken, daneben gibt es Armenier und libanesische Flüchtlinge. Die türkische Minderheit lebte bis zur türkischen Invasion 1974 über die ganze Insel verstreut. Seitdem bewohnen die Griechen und Türken geschlossene Siedlungsgebiete, die durch die Attila-Linie voneinander getrennt sind. Die Türken sind Muslime, die Griechen gehören der griechisch-orthodoxen Kirche an. Über 55% der Bevölkerung leben in Städten.
Nach der faktischen Teilung hat sich die Wirtschaft in beiden Teilen der Insel auseinander entwickelt. Obwohl die besten Landwirtschaftsgebiete und ein Großteil der Industrie unter türkische Herrschaft fielen, ist Nordzypern ohne die Hilfe der Türkei kaum lebensfähig; es ist noch weitgehend von der Agrarwirtschaft geprägt. Demgegenüber beträgt das Pro-Kopf-Einkommen im griechischen Landesteil, in dem der industrielle Sektor und der Fremdenverkehr stark gefördert wurden, inzwischen ein Mehrfaches des Einkommens im türkischen Bereich. In der Landwirtschaft überwiegt der Anbau von Getreide, Kartoffeln, Wein, Zwiebeln, Südfrüchten, Tabak, Oliven, Obst und Baumwolle. Die Schaf- und Ziegenhaltung ist weit verbreitet. Die Bedeutung des Bergbaus (Kupferpyrit, Eisenpyrit, Chromite, Asbest) ist rückläufig. Die Industrie (Nahrungsmittel-, chemische, Textilindustrie, Fahrzeugbau, Baugewerbe) entwickelt sich recht gut, während das traditionelle Kleingewerbe und das Handwerk an Bedeutung verlieren. Der Fremdenverkehr ist Zyperns wichtigste Devisenquelle; meistbesuchte Reiseziele sind die Gebiete um Larnaka, Limassol und Paphos.
Das Straßennetz ist gut ausgebaut. Im internationalen Flugverkehr ist Zypern (Flughafen Larnaka) als Hauptstützpunkt für viele ausländische Fluglinien von Bedeutung. Die Handelsflotte ist mit 23 Mio. BRT die sechstgrößte der Welt; wichtigste Seehäfen sind Famagusta im türkischen Teil sowie Limassol und Larnaka im griechischen Teil.
Zypern ist infolge seiner seestrategischen Lage viel umkämpft worden. Die Entwicklung einer eigenen Silbenschrift bezeugte den hohen Kulturstand der Insel, auf die seit etwa 1200 v. Chr. Griechen einwanderten. Um 800 v. Chr. setzten sich die Phönizier in Kition fest. Ihnen folgten Assyrer, Ägypter und Perser. Die Unabhängigkeit von Persien wurde 332 v. Chr. durch den Anschluss an das Reich Alexanders des Großen gesichert. 294-58 v. Chr. gehörte Zypern zum Ptolemäer-Reich, 58 v. Chr. fiel es an die Römer (seit 22 v. Chr. senatorische Provinz unter einem Prokonsul). Paulus und Barnabas brachten um 45 das Christentum auf die Insel. Die Römer schlugen den jüdischen Aufstand von 115 blutig nieder. Mit der Reichsteilung 395 kam Zypern zum Byzantinischen Reich. Nach mehreren arabischen Angriffen (seit 648) einigten sich Byzanz und das Kalifat 688 auf eine Art Kondominium über die Insel, das im Prinzip bis zur byzantinischen Wiedereroberung 965 Bestand hatte. 1184 löste Isaak Komnenos Zypern aus der byzantinischen Herrschaft und erklärte sich 1185 zum König. 1191 wurde Zypern von Richard I. Löwenherz erobert, der es an die Kreuzfahrer-Dynastie Lusignan verkaufte. 1489 etablierte Venedig seine Herrschaft über die Insel. 1570/71 wurde Zypern von den Türken erobert. Durch türkische Einwanderung erhielt die Insel ein starkes muslimisches Bevölkerungselement, wodurch der bis heute fortdauernde Konflikt mit den griechisch-orthodoxen Christen begründet wurde. 1878 besetzte Großbritannien (bei Anerkennung der türkischen Oberhoheit) Zypern u. annektierte es 1914; 1925 wurde Zypern britische Kronkolonie.

Große Teile der griechischen Zyprioten forderten seit dem 19. Jahrhundert den Anschluss (Enosis) an Griechenland. Diese anfangs gegen die türkische, später gegen die britische Herrschaft gerichteten Bestrebungen, die 1931 zu Unruhen führten, lebten nach dem 2. Weltkrieg verstärkt auf. An die Spitze der Bewegung trat das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Zypern, Erzbischof Makarios. Seit 1955 führte die Untergrundorganisation EOKA unter G. Grivas einen Guerillakampf gegen die britische Kolonialmacht, die mit harten Repressalien antwortete. Gleichzeitig kam es zum Konflikt zwischen den interessierten Mächten: Großbritannien wünschte den Fortbestand des Kolonialstatus, Griechenland den Anschluss, die Türkei eine Teilung der Insel. 1959 wurde der Konflikt durch das Londoner Abkommen zunächst beigelegt: Zypern erhielt die Unabhängigkeit, die von den drei Mächten garantiert wurde. Großbritannien wurden Militärstützpunkte zugestanden. Makarios wurde zum Staatspräsidenten gewählt. Am 16. 8. 1960 erfolgte die Unabhängigkeitserklärung.
Kennzeichnend für die Verfassung von 1960 blieb der institutionalisierte Dualismus von griechischer Mehrheit und türkischer Minderheit. Alle Staatsorgane wurden im Verhältnis 70: 30 besetzt. Das Parlament wurde nach allgemeinem, gleichem, geheimem und direktem Wahlrecht bestellt, jedoch wählten beide Nationalitäten ihre Abgeordneten in gesonderten Wahlkreisen. Auch der griechische Präsident und der türkische Vizepräsident (F. Küçük) wurden getrennt gewählt. Als Makarios 1963 dieses System zugunsten der griechischen Mehrheit beseitigen wollte (Aufhebung des Proporzes bei Wahlen und Stellenbesetzungen), kam es zu blutigen Kämpfen zwischen den Volksgruppen. Die UNO entsandte 1964 eine Sicherheitstruppe, deren Mandat jeweils halbjährlich verlängert wurde.

In der 2. Hälfte der 1960er Jahre beruhigte sich die Lage, doch kam eine Verständigung trotz jahrelanger Verhandlungen nicht zustande. Inzwischen entstand bei Teilen der griechischen Zyprioten Missstimmung gegen Makarios, der die Enosis-Bewegung nur noch formell zu unterstützen schien. Seit 1972 trat die von Grivas († 1974) geführte EOKA wieder mit Terroranschlägen, jetzt gegen Regierungsmitglieder und Regierungseinrichtungen gerichtet, in Erscheinung. Gegen Makarios wandte sich auch ein Teil des Klerus.
Am 15. 7. 1974 putschte die von griechischen Offizieren befehligte und von der Regierung Griechenlands gesteuerte Nationalgarde gegen Makarios. Makarios verließ vorübergehend das Land. Unter dem Eindruck eines drohenden Anschlusses der Insel an Griechenland landeten am 20. 7. türkische Truppen und besetzten den Nordosten der Insel, rund 40% der Gesamtfläche. Es kam zu großen Bevölkerungsverschiebungen (Flucht, Vertreibung, Umsiedlung), wodurch nahezu geschlossene Siedlungsgebiete der Volksgruppen entstanden. 1975 erklärte sich der türkische Teil zum „Föderativen türkisch-zypriotischen Staat“, dessen Präsident R. Denktas wurde (Bestätigung im Präsidentenamt bei den Wahlen 1985, 1990, 1995 und 2000). Verhandlungen zwischen den Volksgruppen blieben ergebnislos, da die Griechen auf einem Einheitsstaat mit begrenzt autonomen Kantonen bestanden, während die Türken eine lose Föderation zweier weitgehend selbständiger Staaten forderten. Nach Makarios‘ Tod (1977) folgte ihm S. Kyprianou als Präsident, der von der Türkei und den zypriotischen Türken nicht anerkannt wurde.

Der Norden der Insel erklärte sich 1983 einseitig zur unabhängigen „Türkischen Republik Nordzypern“. 1985 wurde durch Volksabstimmung eine Verfassung eingeführt. Die Türkei trat als Garantiemacht dem neuen Staat zur Seite, der aber international nicht anerkannt wurde. 1985 kam es durch UNO-Vermittlung zu Verhandlungen zwischen Kyprianou und Denktas, die ergebnislos blieben. Auch weitere UNO-Bemühungen um eine Lösung der Zypernfrage hatten keinen Erfolg. Im griechischen Teil Zyperns stieß die kompromisslose Haltung Kyprianous auf zunehmende Kritik. Bei der Präsidentschaftswahl 1988 erlitt er eine Niederlage. Neuer Präsident wurde der parteilose, von der linken Fortschrittspartei unterstützte Unternehmer G. Vassiliou. Die Präsidentschaftswahlen 1993 gewann G. Klerides (Demokratische Sammlung); er wurde 1998 im Amt bestätigt (bis 2003). Im gleichen Jahr nahm die EU Beitrittsverhandlungen mit Zypern auf, ohne dass die Teilungsproblematik der Insel lösbar erschien. Annäherungsgespräche unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen blieben ohne durchschlagenden Erfolg. 2003 konnte sich bei den Präsidentschaftswahlen im griechischen Inselteil der Oppositionskandidat T. Papadopoulos (Demokratische Partei) gegen den bisherigen Amtsinhaber Klerides durchsetzen. Eine neue Friedensinitiative der UNO, die die Schaffung eines Bundesstaates nach Schweizer Muster vorsah, scheiterte im März 2003. Im April 2003 öffnete die türkisch-zyprische Regierung überraschend die Grenze zwischen den beiden Inselteilen.

Nikosia, griechisch Levkosía, türkisch Lefkosa Hauptstadt von Zypern, 228 000 Einwohner, davon 41 800 im türkischen Teil; venezianische Stadtmauer (16. Jahrhundert); zahlreiche orthodoxe Kirchen, z. T. in Moscheen umgewandelt; Universität, Nationalmuseum; Flughafen. – Seit 1974 verläuft durch Nicosia die Grenze zwischen dem türkisch-zypriotischen und dem griechisch-zypriotischen Teilstaat (2003 Grenzöffnung).

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Ich danke dem Bertelsmann Lexikon Verlag für die freundliche Unterstützung dieser Seite.

 

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